Mit dir selbst

Es ist so wichtig Mitgefühl zu entwickeln. Als erstes für dich selbst. Ich zum Beispiel bin ein Mensch, der immer großes Mitgefühl für andere Menschen hatte. Ich konnte und kann mich bis heute sehr in andere Menschen einfühlen und nehme ihre Gefühle sehr deutlich wahr. Dies nennt man Hellfühligkeit. Dazu muss ich nichts über den Menschen wissen, es reicht, wenn ich ein Foto anschaue. Ich habe als Jugendliche feststellen müssen, dass meine Freundinnen diese Fähigkeit nicht hatten (ich dachte das sei normal) und mich daher oft nicht verstanden haben. Außerdem wusste ich damals nicht, wie mir diese Fähigkeit nützlich sein könnte. Ich kannte auch niemanden mit dem ich darüber sprechen konnte. Das kam erst später. Wie du vielleicht gelesen hast auf der Podcast Seite habe ich mich früh für Buddhismus interessiert und kam so an Bücher vom Dalai Lama. Er ist für mich der Inbegriff von lebendem Mitgefühl in einem so großen weisen Herzen. Als ich zu seinen Teachings nach Sikkim reiste bekam ich dort mein erstes Mantra. Es ist das Mantra für Mitgefühl von der grünen Tara. Es heißt: Om Tare Tutare Ture Swaha. Die grüne Tara ist die Göttin für Mitgefühl und schnelle Retterin in Not. Mit dem Mantra kannst du sie rufen. Kurz vorher hatte ich meine erste Mala (Gebetskette) geschenkt bekommen und so rezitierte und sang ich ab diesem Tag das Tara-Mantra.

Mitgefühl für mich selbst hatte ich allerdings nicht so viel. Ich war gut darin mich selbst zu kritisieren, hohe Ansprüche an mich zu stellen und unzufrieden mit mir zu sein. In der Schule hatte ich gelernt, dass meine Leistungen egal wie viel ich lernte, nicht gut genug waren. Als junge Frau und Mutter musste ich dann feststellen, dass ich oft sehr wütend war, weil ich unsicher war, ob ich mit unseren Kindern alles richtig machte. Oft war ich überfordert, gestresst, müde und ungeduldig. Außerdem war mein Mann nicht so, wie ich ihn haben wollte. Ich projizierte meine Wut (dahinter steckte Verzweiflung und Überforderung)  auf ihn und auch auf unsere Kinder.  An irgendeinem Punkt merkte ich, dass ich Hilfe brauchte. So begann ich eine Therapie, denn auch ich hatte bei der Geburt und in der Kindheit Traumata erlitten. Es war ein wesentlicher Schritt zu mir selbst. Zu lernen Mitgefühl mit mir selbst zu haben und liebevoll mit mir zu sein, war ein Prozess, aber er lohnte sich. Wenn es mir gut ging und ich für mich sorgte, ging es auch meinen Kindern und meinem Mann gut. Ich lernte, mir Auszeiten zu nehmen. Ich begann wieder zu meditieren und ich erinnerte mich, dass Tanzen mein Lebenselixier ist und mir Lebensfreude schenkt.

Was kannst du für dich tun? Hast du schon damit begonnen liebevoll und mitfühlend mit dir zu sein? Wie viel Aus-Zeit am Tag schenkst du dir? Selbst wenn du Mutter vieler Kinder bist, oder einen anspruchsvollen Job hast. Es gibt immer eine Möglichkeit dir Raum für dich zu schaffen. Beginne jetzt. Hier ist eine kleine Übung für morgens vor oder nach dem Aufstehen oder für zwischendurch: Setze dich hin (gerne auch mit deinem Tee), atme ein paar mal tief und bewusst ein und aus. Sprich innerlich: “Ich bin liebevoll und mitfühlend mit mir selbst”. Spüre wie sich das anfühlt. Atme wieder tief ein und aus und wiederhole den Satz. Fühle. Atme und wiederhole den Satz ein drittes Mal. Lächle dir selbst zu. Auch wenn sich das erstmal ungewohnt anfühlt. Lächle dir selbst zu, du bist es wert. Dann trinke in Ruhe und Stille deinen Tee 🙂 Licht und Segen wünsche ich Dir.

 

 

 

Mitgefühl